TAIPEH/PEKING – China hat das größte Militärmanöver rund um Taiwan seit über einem Jahr gestartet und dabei 21 Kriegsschiffe, 71 Flugzeuge und mehrere Schiffe der Küstenwache entsandt. Die Machtdemonstration verschärft die Spannungen in der Region erheblich. Die chinesische Armee erklärte am Dienstag, dass die Übungen „Präzisionsschläge“ und eine simulierte Blockade der Insel umfassten – eine klare Botschaft, dass Taiwans Streben nach Unabhängigkeit „zum Scheitern verurteilt“ sei.
Chinas Machtdemonstration: „Einkreisung Taiwans aus mehreren Richtungen“
Das Kommando des östlichen Kriegsschauplatzes der Volksbefreiungsarmee (PLA) bestätigte, dass die Manöver koordinierte Einsätze von Heer, Marine, Luftwaffe und Raketeneinheiten umfassten. PLA-Sprecher Shi Yi erklärte, dass die Übungen eine „ernste Warnung“ an Taiwan senden und als Abschreckung gegen „separatistische Kräfte“ dienen sollen. Laut Berichten der PLA trainierten die Truppen Angriffe auf „See- und Boden-Ziele“, während sie Taiwan aus „mehreren Richtungen einkreisten“.
Chinesische Staatsmedien veröffentlichten eine Grafik, die Taiwan vollständig von Kriegsschiffen und Kampfjets der PLA umringt zeigt. Zusätzlich sorgte eine provokante Propagandadarstellung für Aufsehen: Darauf ist Taiwans neu gewählter Präsident Lai Ching-te als Insekt abgebildet, das über einem offenen Feuer geröstet wird – eine drastische Eskalation der Rhetorik Pekings.
Gleichzeitig gab die chinesische Küstenwache bekannt, verstärkte „Patrouillen“ rund um Taiwan durchzuführen. Dazu zählen Inspektionen, Abfangaktionen und das Festsetzen nicht autorisierter Schiffe.
Taiwans Antwort: „Militärische Gewalt ist nicht der Weg moderner Gesellschaften“
Taiwans Premierminister Cho Jung-tai verurteilte die Eskalation durch China scharf und erklärte: „Der Rückgriff auf militärische Gewalt ist nicht der Weg, den moderne, fortschrittliche Gesellschaften gehen sollten.“
Das taiwanische Verteidigungsministerium meldete, dass der chinesische Flugzeugträger „Shandong“ und seine Begleitschiffe an den Manövern beteiligt seien – die größte Präsenz chinesischer Marineeinheiten nahe Taiwan seit Mai 2024. Die taiwanische Armee wurde in höchste Alarmbereitschaft versetzt, entsandte Kriegsschiffe und Kampfjets und aktivierte landgestützte Raketenabwehrsysteme, nachdem chinesische Militärflugzeuge erneut in Taiwans Luftverteidigungszone (ADIZ) eingedrungen waren.
USA und Verbündete verurteilen Chinas Eskalation
Die chinesischen Militärübungen haben internationale Besorgnis ausgelöst, insbesondere in den USA und bei deren Verbündeten im Indopazifik. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bekräftigte Washingtons Engagement für eine „glaubwürdige Abschreckung“ in der Region und betonte, dass die US-Streitkräfte weiterhin für Stabilität in der Taiwanstraße sorgen würden.
Während eines Besuchs in Japan am Sonntag erklärte Hegseth: „Wir stehen fest hinter einer starken und glaubwürdigen Abschreckungsstrategie im gesamten Indopazifik, einschließlich der Taiwanstraße.“ US-Präsident Donald Trump hatte bereits im vergangenen Monat gewarnt, dass eine chinesische Invasion Taiwans „katastrophal“ wäre.
Auch Japan, Australien und die ASEAN-Staaten äußerten Bedenken angesichts Chinas wachsender militärischer Aggressivität und riefen zur Zurückhaltung und zum Dialog auf.
Chinas Strategie: Blockade statt Invasion?
China hat seine militärischen Aktivitäten rund um Taiwan in den letzten Jahren massiv ausgeweitet und nutzt großangelegte Übungen, um seine Fähigkeit zur Umsetzung einer Luft- und Seeblockade zu demonstrieren. Militärexperten gehen davon aus, dass Peking eher auf eine wirtschaftliche und militärische Einkreisung setzen könnte, um Taiwan schrittweise unter Druck zu setzen, anstatt das Risiko einer kostspieligen und geopolitisch riskanten Invasion einzugehen.
Da Taiwan weiterhin ein potenzieller Krisenherd in den Beziehungen zwischen China und den USA bleibt, richtet sich die weltweite Aufmerksamkeit nun darauf, ob Peking seine militärische Machtdemonstration weiter eskaliert oder den Weg des diplomatischen Dialogs einschlägt.
(Quellen: Erklärungen der chinesischen und taiwanischen Regierung, Reuters, AFP, US-Verteidigungsministerium, PLA Eastern Theater Command)