WASHINGTON, D.C. – Die Vereinigten Staaten haben weitreichende neue Zölle eingeführt, wobei der stärkste wirtschaftliche Einfluss auf asiatische Länder erwartet wird. Die am 2. April von Präsident Donald Trump angekündigte Maßnahme sieht einen 10%igen Zoll auf alle in die USA eingeführten Waren vor – unabhängig vom Herkunftsland. Zusätzlich werden hohe „reziproke“ Zölle gegen Länder verhängt, die als unfaire Handelspartner eingestuft werden.
Obwohl die Zölle die Weltwirtschaft insgesamt betreffen, tragen asiatische Länder die größte Last – mit Tarifen von bis zu 49%. Am stärksten betroffen ist Kambodscha mit dem höchsten Satz, gefolgt von Vietnam (46%), Thailand (36%), Indonesien und Taiwan (32%) sowie China (34%). Letzteres unterliegt zusätzlich einem bereits zuvor verhängten 20%-Zoll, der als Strafmaßnahme für Chinas angeblich unzureichende Maßnahmen gegen den illegalen Handel mit Fentanyl eingeführt wurde.
Wirtschaftliche Schockwellen in Asien
Die neuen Zölle stellen eine erhebliche Bedrohung für viele asiatische Volkswirtschaften dar, die stark auf den Export in die USA angewiesen sind. Besonders betroffen sind Länder wie Vietnam, Thailand und Malaysia, die sich als wichtige Produktionsstandorte für Elektronik, Textilien und Maschinen etabliert haben. Der plötzliche Anstieg der Zölle könnte zu folgenden Auswirkungen führen:
- Rückgang der Exporte: Höhere Kosten machen asiatische Waren auf dem US-Markt weniger wettbewerbsfähig.
- Unterbrechung globaler Lieferketten: Viele internationale Unternehmen sind in asiatischen Produktionsnetzwerken eingebunden – die neuen Zölle könnten zu einer Verlagerung der Produktion führen.
- Wirtschaftliche Abschwächung: Volkswirtschaften, die stark vom Handel abhängen, wie Vietnam, Thailand und Indonesien, könnten durch sinkende Exporte ein langsameres BIP-Wachstum verzeichnen.
China und Südostasien am stärksten betroffen
China, das sich bereits in einem Handelskonflikt mit Washington befindet, gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern. Die kombinierten 54 % Zölle auf chinesische Waren könnten Exporte drastisch einbrechen lassen, was Unternehmen dazu zwingt, entweder die Produktion zu verlagern oder massive Verluste hinzunehmen.
Auch Südostasien, das zuvor von der Verlagerung von Produktionsstätten aus China profitierte, steht nun unter Druck. Vietnam, das in den letzten fünf Jahren einen starken Anstieg ausländischer Investitionen in seine Produktionsindustrie erlebte, könnte durch die 46%igen Zölle für amerikanische Unternehmen unattraktiv werden.
Zölle auf US-Verbündete sorgen für Besorgnis
Selbst enge Verbündete der USA bleiben von den Maßnahmen nicht verschont. Japan und Südkorea, zwei der wichtigsten strategischen Partner Washingtons im Indopazifik, sehen sich Zöllen von 24% bzw. 25% gegenüber. Indien, das Trump beschuldigt, hohe Einfuhrzölle auf amerikanische Waren zu erheben, wird mit 26% Zoll belegt.
Im Gegensatz dazu sind Kanada und Mexiko von den Zöllen ausgenommen, während die Europäische Union mit 20% und Australien mit 10% belastet wird. Besonders überraschend ist die Einbeziehung Singapurs, eines langjährigen US-Verbündeten und FTA-Partners.
„Singapur als offene Wirtschaft und strategischen Partner zu treffen, ist unerwartet“, kommentierte Wendy Cutler, Vizepräsidentin des Asia Society Policy Institute und ehemalige amtierende stellvertretende US-Handelsbeauftragte.
Wachsende Unsicherheit im globalen Handel
Die neuen Zölle gelten als eine der aggressivsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen von Trump, die darauf abzielen, „freien Handel“ durch „fairen Handel“ zu ersetzen und die US-Produktion zu stärken. Doch die wirtschaftlichen Folgen für Asien könnten gravierend sein – von steigenden Verbraucherpreisen über wirtschaftliche Einbußen bis hin zu möglichen Vergeltungsmaßnahmen der betroffenen Länder.
Da die Unsicherheit über die zukünftige Handelslage wächst, müssen Unternehmen in Asien nun dringend ihre langfristigen Strategien überdenken und analysieren, wie sich die globalen Handelsbeziehungen in den kommenden Jahren verändern werden. (zai)